Inspirationen

Spirituelle Impulse und Worte zum Nachdenken, geschrieben und gestaltet von Mitarbeitenden des RPZ, jeden Monat neu.

Der Weihnachtswolf

Liebe Leser*innen,

ich möchte Ihnen gegen allen Unfrieden in der Welt eine friedliche Weihnachtsgeschichte erzählen:

Es war in einem Ort weit im Osten, und eines war in diesem Jahr merkwürdig: Die Wölfe, von denen es damals noch viele gab, die waren in diesem Jahr schon viel früher aus den Wäldern gekommen - und es waren auch viel mehr.
In der Heiligen Nacht war eine Menge Neuschnee gefallen. Deshalb brach der Knecht Georg schon gegen zehn Uhr auf, um zur Kirche zu gehen. Zwar hatte er nur eine gute Stunde Wegs, aber er wollte noch einen Umweg machen, am Hof der Knabigs vorbei. Er war nämlich mit dem Knecht befreundet und hoffte, dass der mit ihm ging. Als er dann dort war, lachte der aber nur: "Wir haben Pferde und Schlitten genug. Für uns Leute vom Hof ist Platz - warum sollte ich dann den weiten Weg laufen?“ Auch die anderen lachten über den Georg.
Also ging er allein weiter, traurig und enttäuscht, und nahm die Abkürzung durch den Wald. "Kannst ja eine Rast einlegen, Georg“, sagte er bei sich, und zog sich die Mütze tiefer ins Gesicht. "Bis zum Gottesdienst ist noch gut Zeit. Musst nur gut aufpassen, dass du nicht einschläfst! Bei solcher Kälte ist schon mancher eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.“ Gar nicht mehr weit vom Dorf weg kroch er unter eine große Fichte. Darunter war ein schneefreies Plätzchen. Dort setzte er sich, schlug den Mantelkragen hoch und lehnte sich gegen den Stamm. Traurig dachte er an die anderen, die ihn so ausgelacht hatten. Das klang ihm noch in den Ohren, dieses Lachen. Aber eh er sich’s versah, war er doch eingenickt. Er wäre sicher erfroren, wenn da nicht ... wenn da nicht Folgendes passiert wäre:

Georg schreckte plötzlich auf. Erst dachte er, er sehe ein Gespenst und wurde vor Entsetzen ganz steif. Aber dann erkannte er, dass dicht vor ihm eine Wölfin stand. Die blies ihm ihren warmen Atem ins Gesicht und tappte mit ihrer Pfote auf seinen Stiefel. Die gelben Augen waren keinen Meter vor ihm. Er sah den großen, rostroten Fleck im Nacken der Wölfin. Sie war angeschossen worden, ihr Fell war verklebt und verkrustet. In ihrer Schnauze trug sie - einen kleinen Wolf. Kaum ein paar Tage alt. Weiß der Teufel, warum das Tier so mitten im Winter ein Junges zur Welt gebracht hatte. Sie bettete das Junge ganz vorsichtig in Georgs Schoß, starrte ihn noch ein paar Sekunden an, winselte leise und drückte sich davon.

Allmählich kam Georg wieder zu sich. Erst langsam wurde ihm klar, was da passiert war. Das Wolfsjunge kuschelte sich in seinen Mantel und war ganz zutraulich. Und Georg wusste, dass ihm die Wölfin das Leben gerettet hatte. Er wäre ohne sie erfroren. Nun hatte sie ihm ihr Junges anvertraut. Was blieb dem Georg da anderes übrig - er barg den kleinen Wolf an seiner Brust und rappelte sich auf. Von der Kirche her hörte er die Glocken läuten. Eilig machte er sich auf den Weg. Im Schnee sah er noch die Blutspur der Wölfin, wie eine Kette aus roten Perlen.

Er kam gerade noch rechtzeitig in die Kirche. Aber hinten, da wo er sonst immer seinen Platz hatte, da war alles gestopft voller Männer. Sie schoben ihn immer weiter nach vorn, und so fand er sich schließlich direkt vor der Krippe wieder.

Der Weihnachtsgottesdienst dort in dem Dorf war immer sehr feierlich. Der Pfarrer zog mit den Helfern ein und trug das Jesuskind bis nach vorne, wo die Krippe stand. Er hielt es hoch über seinen Kopf, damit es alle sehen konnten, und sehr behutsam legte er es in die Krippe. Denn erstens war das ja der Gottessohn und zweitens war es aus Gips und könnte leicht zerbrechen. Und wenn er sich dann niederkniete und das Kind in die Krippe legte, sang die Gemeinde.

In dieser Nacht nun, als der Pfarrer das Kind gerade betten wollte, hörte er auf einmal ein sonderbares, leises Jaulen. Er blickte sich um und schaute verärgert. Da hörte man wieder ein kurzes Jaulen, es kam direkt aus Georgs Richtung. Der Pfarrer schaute ihn ganz streng an. In diesem Augenblick streckte der Wolf seinen Kopf aus dem Mantel hervor und leckte dem Georg den Bart. Georg bekam einen großen Schreck. "Jetzt werden sie mich mit Schimpf und Schande aus der Kirche jagen“, dachte er. Aber der Pfarrer dachte in dieser Nacht nicht an sowas. Er legte das Kind in die Krippe, raffte etwas von dem weichen Moos auf dem Boden des Krippenstalles zusammen und flüsterte dem Georg zu: „Gib her das Tierchen!“. Georg gehorchte und der Pfarrer legte den Wolf zu den Lämmern, ganz dicht vor Ochs und Esel. Rundherum brannten die Kerzen und machten’s schön warm im Krippenstall. Dem jungen Wolf gefiel es, er rollte sich zusammen und blinzelte in die Flammen.

Jetzt erst wurde gesungen. Der Kopf des Wolfes war hochgeruckt, als die Orgel und der Gesang anfingen. Aber dann schien es ihm zu gefallen, ja, es klang ähnlich wie fernes Wolfsheulen. Wieder rollte er sich zusammen, fester jetzt noch als zuvor, und schien in Schlaf zu fallen.

Georg blickte aufmerksam zum Pfarrer. Aber was machte der? Er legte seine schön beschriebenen und vorbereiteten Blätter beiseite. Dann blickte er auf den kleinen Wolf, der friedlich neben den Schafen an der Krippe lag und erzählte von dem großen Frieden, der im Paradies geherrscht haben muss. Da hätte kein Wolf ein Lamm gefressen, sondern im Gegenteil mit ihm gespielt. Ja, und dann in der Nacht, in der Jesus im Stall in Bethlehem auf die Welt gekommen sei, auch damals hätten die Hirten ganz ruhig von ihren Herden weggehen können, denn in dieser Nacht, da hätte kein Wolf - der Teufel hätte ihn beim Schwanz gepackt und in die Hölle gezogen - also in dieser Nacht, da hätte kein Wolf ein Schaf gepackt. Georg hörte gespannt zu.

Aber das alles sei nur ein Vorgeschmack von dem großen Frieden gewesen, den Gott den Menschen schenken will – fuhr der Pfarrer fort. Ohne Krieg und Streit, ohne Mord und Gewalt, ohne Hunger und Unrecht. Da würde dann keiner mehr gegen den anderen sein. Denn dann sei endlich Friede - der Friede, den die Juden Schalom nennen und auf den nicht bloß die Menschen, sondern auch die Tiere und überhaupt die ganze Schöpfung so sehr warten. Und dann zeigte der Pfarrer auf den kleinen Wolf, der da ganz friedlich neben dem Lamm lag und schlief. "Und so wollen wir dem Georg heute Nacht danken, dass er uns den Wolf in die Kirche getragen hat. Ein schöneres Bild für den Frieden auf Erden, den die Engel uns verheißen haben, hätten wir wohl kaum finden können."

Als der Gottesdienst aus war, steckte Georg seinen Wolf wieder unter den Mantel. Und jetzt hatte er auf einmal Platz im Schlitten von seinem Freund, und er musste die ganze Geschichte, wie er denn an den Wolf gekommen war, noch in derselben Nacht erzählen. Und auf dem Hof bat ihn die Bäuerin in die gute Stube und  brachte ihm Milch und eine Babyflasche, damit er den Weihnachtswolf aufziehen konnte. Der Bauer aber holte was zum Trinken aus dem Keller und sie tranken auf das Tierchen und stießen wieder und wieder auf den großen Frieden an. Seitdem hat man in der Kneipe in dem Dorf immer seltener "zum Wohle“ oder "Prost“ gehört, dafür immer häufiger "Schalom“, wenn die Männer einander zutranken.

Eine frohe Vorweihnachtszeit

Ulrich Jung
Referat Förderschulen

November 2022

"NOVEMBER"

01.11. Allerheiligen
20.11. Ewigkeitssonntag

Natürlich
ohne
Vergessen .....
Endlos
mit
bleibender
Erinnerung .....
Ruhe.
Bis 6.11. Herbstferien
Na klar
ohne
Verrechnen
Evaluieren
Mitschreiben
Bemalen
Erlesen
Reproduzieren.
11.11. St. Martin
Nicht
ohne
Verhalten
entdeckt
Martin
beherzt
einen am
Rand.
16.11. Buß- und Bettag
Nichts für mich
oder
vielleicht alles.
Erklär 
mir
Beten und Büßen.
Es
richtet auf.
27.11. 1. Advent
Natürlich gebunden
oder anders
vertreten der Kranze und
ein Licht und dann noch drei
mein
Bedürfnis nach
Erleuchten und 
Ritual.
Andauernd
Rückzug der Natur

Natur - 
ohnmächtig
verlierend.
Es ist eins
mehr: Sie 
braucht 
echt
Regeneration.
Frieden.
Bitte!

Nehmt
oder
versagt
es
mir.
Brennt
einfach
richtig im Herzen: Bitte macht Frieden!
Wortspiel-Geheimnis:
Was ist "Es"?

Nach
oben
verlässt
es
mich
bis
einer 
ruft.
W statt V.
L statt R.

Na?
Ob
vier
ein
Meeting
brauchen?
Echt?
Rieber nicht.

Claudia Dürr
(Pädagogische Ausbildung für Schule und Gemeinde im Vikariat)

Oktober 2022

Kreuze an unserem Weg

Wir alle kennen das: Ein einfacher Spaziergang an der frischen Luft, unterwegs um neue Kraft zu schöpfen, die Natur zu genießen, durchzuatmen ...
Da steht am Wegrand ein einfaches Kreuz – nicht mehr, nur so ein Kreuz aus Holz oder Stein. Manchmal, da nehme ich es kaum wahr. Ich gehe weiter. Und doch - dieser kurze Blick auf das Kreuz gibt mir das Gefühl: ich bin nicht allein auf meinem Weg.
Ein anderes Mal bleibe ich stehen. Ich erlebe das Kreuz als einen guten Ort, um innezuhalten und meine Gedanken zu sammeln.
Ich fühle mich verbunden mit den Menschen, die vor mir hier stehenblieben. So viele, die hier an die gedacht haben, die ihnen lieb gewesen sind, so viele, die ihre Sorgen und ihren Dank vor das Kreuz gebracht haben, so viele, die hier Trost gefunden haben. Und so kann auch ich meine Gedanken ausdrücken ...
Ich erlebe, wie all das, was uns so bewegt, hier am Kreuz durch Jesus Christus getragen ist. Eine große Kraft geht von diesem Kreuz aus, die uns vergewissert, dass Gottes Liebe nicht vor unserem Leben Halt macht – alle Höhen und Tiefen mit durchlebt.
Kraft schöpfen, das kann ich hier, um meinen Weg fortzusetzen -
vielleicht anders als zuvor, gelassener oder freier, vielleicht auch nachdenklich geworden ...

An dieser Stelle könnte ich gut mit den Gedanken schließen.
Beim Blick auf das eigene Leben, das Getragensein, das Kraftschöpfen bei Gott, das Finden neuer Perspektiven ...
Das Kreuz als guter Ort innezuhalten und vor Gott zu bringen, was uns bewegt.

Heute bringe ich auch meine Ratlosigkeit hinsichtlich des Krieges in der Ukraine vor das Kreuz. Das Kreuz ist und bleibt ein mächtiges Symbol gegen Gewalt. Jesus ist am Kreuz für seine Botschaft der Feindesliebe und der Gewaltfreiheit eingetreten und mit seiner Auferstehung werden wir vergewissert, dass die ohnmächtige Macht der Liebe stärker ist als Hass und Tod, dass Unrecht und Gewalt nicht das letzte Wort behalten werden.
Und doch weiß ich keine Antwort auf die Frage, wie in der Ukraine Frieden werden kann. Ich bin hin und her gerissen zwischen Jesu Botschaft der Feindesliebe und Gewaltfreiheit und der Frage, ob zum Schutz der Menschen Waffen als kleineres Übel nötig sind. Aber ich habe den Eindruck, wir müssten als Christen kritischer sein, wir müssten die menschliche Logik der Waffen stärker hinterfragen. Ich frage mich, ob wir die Botschaft des Kreuzes und der Gewaltfreiheit nicht vorschnell relativieren und einseitig darauf bauen, dass Waffenlieferungen größeres Leid verhindern würden. Dürfen wir so viel Geld für Waffen ausgeben, während zugleich die Mittel gekürzt werden, um Hunger und Not in unserer Welt zu bekämpfen?

Im Gebet am Kreuz, im Gebet um den Frieden bleibe ich mit meinen Sorgen und Fragen nicht allein. Im Gebet vertrauen wir uns und unsere Welt der Macht der Liebe Gottes an. Hier hat die Hoffnung ihren Ort, dass Frieden werden kann. Hier können wir neue Kraft schöpfen, um nach gewaltlosen Wegen der Konfliktbearbeitung zu suchen, um nach Wegen des Friedens und der Versöhnung zu suchen. In dieser Hoffnung haben vor uns Menschen wie Martin Luther King oder Nelson Mandela gewaltfreie Formen des Widerstands gegen Unrecht und Gewalt gefunden und Versöhnung ermöglicht. Das Vertrauen auf die Liebe Gottes richtet den Blick zudem auf unsere Möglichkeiten Leid zu lindern, Flüchtende aufzunehmen, Hunger zu bekämpfen. Hier bleibt es nicht bei meiner Ohnmacht, hier kann ich nach meinen Möglichkeiten selbst etwas tun.

Angesichts des Kreuzes nachdenklich geworden, im Vertrauen auf Gott und seine Kraft der Liebe nach guten Wegen suchend setze ich meinen Weg fort ...

Susanne Menzke

September 2022

Im Alltag das Leben feiern

"Jetzt geht der ganze Stress schon wieder von vorne los!" Wahrscheinlich können wir diesen Stoßseufzer einer Kollegin ganz gut nachvollziehen. Die Ferien sind vorbei. Ein ganzes Schuljahr liegt jetzt vor uns. Und wahrscheinlich kein "normales", sondern wieder eines mit besonderen Herausforderungen! Da wird der Alltag schnell wieder mühsam und vieles macht uns zu schaffen.
Und die Erholung, die der Urlaub – oder auch einfach nur das Ausruhen zuhause - gebracht hat? Die ist oft schnell wieder verflogen!

Da finde ich es schön, dass wir nicht verzweifelt auf die nächsten Ferien, den nächsten Urlaub warten müssen, bis das Leben endlich wieder Freude macht, bis es Freiräume gibt, Erholung und Genuss. Wellness für Leib und Seele ...

Mitten im Alltag das Leben zu feiern, dazu lädt uns die Bibel ein!
Beim Prediger heißt es:
"Auf, iss mit Freuden dein Brot und trink fröhlich deinen Wein! Denn Gott gefällt schon lange, was du tust. Jederzeit trage festliche Kleider und spar nicht mit duftendem Öl auf deinem Haar! Genieße das Leben mit einer Frau, die du liebst! So verbringe alle Tage deines vergänglichen Lebens, die Gott dir unter der Sonne schenkt – alle Tage, die nur ein Windhauch sind. Ja, das ist dein Anteil am Leben und an deiner Arbeit, mit der du dich unter der Sonne abmühst."
(Pred. 9,7-9 in der Übersetzung der Basisbibel)

Zum Genuss und zur Freude werden wir hier eingeladen. Es gefällt Gott, wenn wir das genießen, was er uns geschenkt hat, wenn wir feiern, wenn wir uns unseren Lebensmut nicht nehmen lassen, wenn wir uns wohlfühlen, mit unserem Körper und mit allen Sinnen.

Wenn wir uns dazu einladen lassen, dann braucht es oft nicht viel, um sich wohlzufühlen, um abzuschalten mitten am Tag oder am Ende eines anstrengenden Tages: das kann ein Cappucino oder ein Eis in der Herbstsonne sein, ein einfaches, aber leckeres Essen, abends ein Glas Wein und ein gutes Gespräch, das Zusammensein mit dem geliebten Menschen, Spiel und Spaß in der Familie oder mit Freund*innen, ein gutes Buch oder ein schöner Film, ein Spaziergang oder ein Besuch im Theater, Konzert oder Wellnessbad oder manches Andere. Bestimmt fällt auch Ihnen das Eine oder Andere ein, was Ihnen gut tut. Wir dürfen jeden Tag genießen, was Gott uns schenkt.

Und er lädt uns sogar dazu ein, regelmäßig einen ganzen freien Tag zu genießen als Wohltat für Leib und Seele: den Sonntag, eine Unterbrechung des Alltags mit seinen Forderungen und seiner zweckrationalen Logik. Einen Tag, der ganz anders sein kann. Ein Tag, um die Seele baumeln zu lassen. Ein Tag zur Besinnung und zum Gottesdienstbesuch, ein Tag zum Entspannen und Nichtstun, ein Tag zum Zusammensein mit Freund*innen und der Familie. Gott will, dass es uns gut geht. Er gönnt uns Wellness für Leib und Seele!

Mit diesen Gedanken wünsche ich uns allen einen guten und fröhlichen Start in ein neues Schuljahr!

Ihre Gudrun Wellhöfer
(Regionalstelle Oberfranken)

Bibeltext: BasisBibel, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. www.basisbibel.de

August 2022

Etwas Muße für uns ...

Herrliches zweckloses Tun.
Einzig allein um Ihrer selbst willen. Ein wenig Muße für uns ...

Muße lebt von der Freiheit von Effizienz - sich treiben lassen 

Einfach loslaufen, ohne Absicht und zurückgelegte Kilometer. Wer gern ein gutes Buch liest, evtl. sogar ein Fachbuch, sollte bitte nicht die Seiten zählen und unbewusst der Frage nachhängen, ob das etwas für seine Arbeit bewirkt.
Meine neue Erfahrung ist das herrliche Baden im Eiskanal. Ein wunderbares Sich-treiben-lassen, ohne dass man zählt, wieviel Strecke man gemacht hat.

Muße ist sehr sinnvoll, aber zwecklos - Gehirnerfrischung

Man kann heute viel abbilden. Die wunderbare Entdeckung ist, dass bei Tätigkeiten der Muße und zweckfreien Tätigkeiten mehr Hirnregionen aktiv sind als bei konzentrierten Arbeiten. Das Gehirn lässt locker und belebt sich frisch. Es beschäftigt sich mit sich selbst.
Dies ist zugleich eine Zeit der Inspirationen und Geistesblitze. Nicht verwunderlich, wenn man locker lässt, kommt Neues auf einen zu. Also auf zu herrlichen Spaziergängen des Gehirns.

Die Muse küsst gern die Muße 

Schon gewusst, dass John Lennon seine besten Songs nach einem Mittagsschlaf schrieb, und Isaac Newton erkannte die Schwerkraft beim Hinausblicken in den Garten. Ich denke, das kennt jeder, wie viele Einfälle da sind, wenn man z. B. flaniert und zwecklose Dinge tut.  
Nur: Warum vergessen wir das so häufig?

Muße ist aller Liebe, nicht des Lasters Anfang 

Gönnen wir uns einfach öfter mehr Leerlauf und nicht die dauernde Frage nach dem, was noch erledigt werden soll und muss. 
Wie kann es gelingen? 
Etwas tun, was man sehr gern mag! Der Flow dabei ist Muße. Es geht nicht nur ums Nichtstun, sondern um ein Tun, das erfrischt, das berührt. 
Das ist keine Technik, die man erlernt, aber eine Haltung: einfach mal loslaufen, losplätschern, lostanzen, loslieben, etc. Warum? Egal!

Uns erholsame Ferien mit viel Muße! 

Bernd Paulus

Juli 2022

Alles hat seine Zeit - auch die Klage

Liebe Leser*innen,

unser Glaube birgt viele Schätze: Er lädt uns ein zum Danken, wenn wir uns in einem Abendgebet besinnen, wofür wir an diesem Tag dankbar sein können, und das Glas als halbvoll anzusehen. Wir loben Gott für die Schönheit der Natur und der Schöpfung. Faszinierende Geschichten von Jesus erzählen von Heilung und von Heil. Oft redet die Bibel von Gott als einem liebenden Vater. Viele Geschichten entfalten die Kraft der Liebe zwischen den Menschen. Und nicht zuletzt wird vom Reich Gottes als einem Reich des Friedens gesprochen und in der Weihnachtsgeschichte singen die Engel: "Friede auf Erden!" Die Liste lässt sich lange fortsetzen.
Aber was, wenn nichts mehr bleibt, wofür man danken könnte, weil der Tag nur Not und Schrecken gebracht hat? Was, wenn von einer schönen Natur nichts mehr zu sehen ist, zwischen zerfallenden Betonmauern oder in einem Gefangenenlager? Was, wenn Menschen der schönen Natur nicht einmal die Nahrung für den nächsten Tag abringen können? Was, wenn Krankheit und Schmerzen an Leib und Seele einen Menschen in die Verzweiflung treiben? Was, wenn ein Mensch sich nicht einmal vorstellen kann, dass ein Vater liebevoll sein kann? Was, wenn Menschen sich hassen, einander nicht wahrnehmen oder grenzenlos quälen? Und was, wenn Krieg, Zerstörung, Morden und Folter regieren?
Was bleibt dann von dieser schönen Theologie? Ist es dann nicht ein Schönwetter-Glaube?

Nein, die Bibel ist wahrhaft kein Buch, das eine bunte Schönwetter-Theologie erzählt. Das machen höchstens wir Menschen daraus. Die Bibel ist ein sehr realistisches Buch, manchmal erschreckend realistisch. Aber auch, wenn die schönen Seiten des Lebens wegbrechen, birgt sie einen Schatz – die Klagepsalmen, wie z. B. den Psalm 13:

Ach Herr, wie lange noch?
Willst du mich etwa für immer vergessen?
Wie lange noch willst du dein Angesicht vor mir verbergen?
Wie lange muss ich mich um mein Leben sorgen,
tagaus, tagein Kummer in meinem Herzen tragen?
Wie lange darf mein Feind über mich triumphieren?
Schau doch her! Antworte mir, Herr, mein Gott!
Lass meine Augen in deinem Glanz leuchten,
sonst wird mich der Tod in den Schlaf wiegen!
Sonst sagt mein Feind: "Ich habe ihn erledigt!"
Und meine Gegner können jubeln,
weil ich ins Straucheln gekommen bin.
Aber ich habe fest auf deine Güte vertraut.
Jetzt lacht mein Herz vor Freude,
weil du mir geholfen hast.
Ich will ein Lied singen für den Herrn!
Denn er hat mir Gutes getan.

Diese Psalmen halfen und helfen gegen die Sprachlosigkeit angesichts verzweifelter Lebenssituationen. Und indem Menschen etwas in Worte fassen, etwas aussprechen, bekommt die Machtlosigkeit einen Riss.
In den Klagepsalmen rufen die Betenden zu Gott, denn sie haben den Glauben an Gottes Hilfe nicht gänzlich verloren – oder sie schreien gegen den drohenden Verlust der letzten Glaubenshoffnung an. Diese Anrede gibt der Klage eine Struktur, den Worten ein Gegenüber und verhindert ins Jammern abzugleiten.
In den Versen der Anklage wird einerseits die Not formuliert, aber auch oft Gott selbst angeklagt. Und die Texte zeigen, dass dies durchaus legitim ist. Gott ist ansprechbar für die Nöte des Lebens. In den vielen Klagepsalmen in der Bibel gibt es kaum eine Notsituation, die nicht irgendwo vorkommt. Und die Not, der Schrecken wird nicht nur benannt, nein – er wird herausgeschrien – kraftvoll - befreiend. Der Schmerz findet Worte.
Diese Benennung der Not mündet in die Bitte um Hilfe. Gott wird an seine Zusagen erinnert. Oft ist es aber nicht nur die Bitte um Hilfe, sondern ein Schrei nach Rache.

Zum Beispiel im Psalm 69, 24-26:

Lass ihre Augen dunkel werden,
damit sie nichts mehr sehen können!
Lass ihre Hüften beben vor Angst,
damit diese Leute für immer wanken!
Lass deine Wut über sie kommen!
Dein glühender Zorn soll sie treffen.
Ihr Lagerplatz soll verlassen sein!
In ihren Zelten soll niemand mehr wohnen.

Ein Schrei nach der Vernichtung der Täter und nach Wiedergutmachung. Dieser Wunsch nach Rache ist legitim. Aber es ist ein Schrei nach Gottes Rache. Dadurch wird eine Gewaltspirale gegenseitiger Rache und gegenseitiger Gewalttaten durchbrochen. Die Rache wird in die Hand Gottes gelegt.
Fast immer enden die Psalmen mit einem Lob Gottes und der Erinnerung an erlebte Hilfe und erfahrene Rettung. Sie enden mit einem hoffnungsvollen Ausblick.

Ich habe diese Art von Bibeltexten vor kurzem neu entdeckt. Eine Kollegin hat mit Schüler*innen aus sehr schwierigen Lebensverhältnissen mit solchen Klagepsalmen gearbeitet und die Jugendlichen selbst mit ihren Worten Klagetexte schreiben lassen. Die Ergebnisse waren teilweise hart – aber die jungen Menschen haben oft erstmals Worte für ihre belastenden Erfahrungen finden können.
Diese Klagepsalmen können ein Wegweiser sein, wie Glauben durch schwere Zeiten hindurch begleiten und der Sprachlosigkeit etwas entgegensetzen kann. Sie machen uns Mut, eigenes und fremdes Leiden nicht demütig zu ertragen oder Wut und Hass zu verdrängen, wo sie im Verborgenen gefährlich weiterwuchern, sondern es herauszuschreien und so neue Kraft zu finden.

Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem Thema, eine Zusammenfassung des Buches von Barbara Strumann (Strumann, Barbara [2018]: In Psalmen der Gewalt begegnen. Überführung der Gewaltverflochtenheit in Sprache, Paderborn.) zur Arbeit mit Klagepsalmen in der Schule und Gedanken zum Einsatz im Religionsunterricht finden Sie hier

Ulrich Jung
(Referat Förderschulen)

(Psalmentexte: BasisBibel, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. www.basisbibel.de)

 

Juni 2022

Gedankenverstopfung

"Gedankenverstopfung – Ich habe Gedankenverstopfung." Diesen Satz sagt Olaf zu seinen zwei Handpuppen. Einem Erdferkel und einem Wolf. "Und ich", sagt das Ferkel leise, "ich habe Seelenverstopfung."

In einem Video, das ich gesehen habe, unterhalten sich die drei darüber, wie es ihnen gerade geht angesichts der Coronasituation und dem Krieg in der Ukraine. "Gedankenverstopfung – Seelenverstopfung". Mich haben diese Worte sofort angesprochen. Ja, so fühle ich mich auch. Der Syrienkrieg, die vielen Flüchtlinge aus Syrien, die Flüchtlinge aus Afrika, die Klimakrise mit Hochwasser, verheerenden Feuersbrünsten, Stürmen, Trockenheit, Corona und nun der Krieg und wieder Flüchtende und Angst und Ungewissheit, was die Zukunft bringen wird. Gedankenverstopfung löst das alles aus: Mir stockt der Atem. Hört das denn je wieder auf? Komme ich da noch mit? Kommt meine Seele hinterher angesichts all dieser Herausforderungen? Bekomme ich davon Seelenverstopfung? Ich erwische mich bei den Gedanken, ob ich das herrliche Wetter genießen darf, ob ich Urlaubspläne machen darf, ob ich Glück empfinden darf angesichts all der Menschen, denen großes Leid widerfährt durch diese Krisen.

"Ich mache einfach den Fernseher aus," sagt Olaf im Laufe des Gesprächs. "Ist das die Lösung?" fragt der Wolf. "Nein", antwortet Olaf leise, "das ist keine Lösung. Ich habe keine Lösung."
Nutzt es diesen Menschen etwas, wenn ich in Depression verfalle? Nein, gerade angesichts der Herausforderungen braucht es doch meine Kraft.

Mir fallen biblische Geschichten ein und ich bin jedes Mal fasziniert, wie aktuell diese alten Geschichten sein können, wie sie mir Antworten auf meine Fragen geben und mich bestärken. Da ist die Geschichte von Elia. Dieser Prophet kämpft mit aller Kraft gegen die Königin Isebel, die den Glauben an Jahwe, den Gott Israels, durch den Baalskult ersetzen will. Den Kult, den sie aus ihrer Heimat mitbrachte, als sie König Ahab heiratete. Leib und Leben setzt Elia aufs Spiel und irgendwann merkt er, dass er nicht mehr kann. Angst und Hoffnungslosigkeit angesichts der Macht der Königin rauben ihm allen Mut und alle Kraft. Er flieht, flieht in die Wüste, rennt um sein Leben, um dann in der Wüste Gott darum zu bitten, sterben zu dürfen. Er kann nicht mehr, spürt Gott nicht mehr, weiß nicht einmal, ob Gott überhaupt noch an seiner Seite steht. "Lass mich sterben, Gott. Es ist alles sinnlos, was ich tue, ich kann ja doch nichts ausrichten." Mit diesen Worten schläft Elia erschöpft ein. Dann rührt ein Engel ihn an, so wird erzählt, sagt "Steh auf und iss". Und Elia findet Brot und einen Krug Wasser. Er isst und trinkt und schläft erneut ein. Dreimal, so wird erzählt, findet Elia Brot und Wasser und schläft immer wieder ein. Irgendwann hat er genug Kraft getankt, um sich auf den Weg zum Horeb zu machen. Dort will er Gott um Rat fragen, hofft ihm zu begegnen und ihn fragen zu können, wie es weitergehen soll.

"Steh auf und iss, ruh dich aus, schlaf dir Kraft an und dann geh weiter deinen Weg." Das sind Worte, die mich berühren, die mich bestärken in diesen Zeiten. Manchmal habe ich das Gefühl, ich kann nicht mehr, will fliehen aus all diesen schrecklichen Nachrichten und erschütternden Bildern, mich zurückziehen irgendwohin, wo mich all das nicht erreichen kann. Und ich weiß, dass noch mehr auf uns zukommen wird: Inflation, Energiekrise, Klimaveränderungen, politische Veränderungen ... Aber ich will den Kopf nicht in den Sand stecken. Ich will kämpfen für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, ich will die Hoffnung nicht aufgeben. Ich lebe in der Hoffnung auf Gottes Reich – und zwar auch in dieser Welt. Dafür braucht Gott uns Menschen, dafür will ich kämpfen mit all meiner Kraft. Und deshalb brauche ich meine Auszeiten, meine Kraftquellen. "Steh auf und iss, ruh dich aus."

Der Cappuccino, das Eis in der Sonne, die Wanderung durch die blühende Natur, das Gespräch mit lieben Menschen, gemeinsames Beten, Singen und Lachen. Dieses Innehalten löst die Verstopfungen der Gedanken und der Seele, lässt mich Abstand gewinnen, gibt mir Kraft und macht mich denk- und handlungsfähig.  

"Der Augenblick," sagt Olaf zu Erdferkel und Wolf, "der Augenblick, das Hier und Jetzt, das tut mir gut. JETZT habe ich euch beide lieb. JETZT freue ich mich darüber, dass wir zusammen sind. Das ist auch keine Lösung. Aber es tut gut."

Ein bisschen zu depressiv endet mir persönlich dieses Video. Vielleicht ist es doch eine Lösung, dieses Hier und Jetzt, dieses Sein im Augenblick. Kraft tanken im Innehalten und im Miteinander, um dann weitere Schritte gehen zu können, hin zu einer Lösung. Möge Gott uns dazu Kraft und Segen schenken.

Sabine Keppner
(Referat Grundschule)

Mai 2022

Was Schönes oder Von der Sehnsucht nach Leichtigkeit

Was Schönes solle ich schreiben, irgendwas Leichtes. Jedenfalls nichts Schweres,
davon hätten wir gerade mehr als genug. Irgendwelche schönen Gedanken, das wäre gut.

Ja, ich verstehe das. So geht es mir auch. Ich ertrage keinen "Brennpunkt" mehr,
weder zu Corona noch zum Krieg. Schwierigkeiten in der Arbeit bezeichne ich als solche
und rede nicht mehr liebevoll von Herausforderungen. Meine Frustrationstoleranz
ist gesunken, meine Atemlosigkeit gestiegen. Wie gerne würde ich oft einfach die Augen
und Ohren zu machen.

Was Schönes also! Ich sinniere: Was kann mich durch turbulente Zeiten tragen?

Was Schönes

ein T-Shirt nähen
den Rasen mähen

den Vögeln lauschen
ein Buch mit dir tauschen

aus dem Fenster blicken
rote Socken stricken

Sudokus knacken
süße Plätzchen backen

"Wie geht es dir“ fragen
"Ich mag dich echt“ sagen

Luftschlösser bauen
und dem Himmel vertrauen

Gerda Gertz
(Referat Mittelschule im RPZ Heilsbronn)

April 2022

Was nährt meine Auferstehungshoffnung?

Am ersten Tag der Woche sehr früh kamen Frauen zum Grab 
und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. 
Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein 
und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.
Und als sie darüber bekümmert waren, 
siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. 
Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. 
Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 
Er ist nicht hier, er ist auferstanden. 
Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: 
Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder 
und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. 
Und sie gedachten an seine Worte. 
Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündeten das alles den elf Jüngern 
und den andern allen. (Lukas 24,1-9)

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 
Diese Frage sitzt. 
Sucht den Lebenden nicht bei den Toten.
Das ist eine herausfordernde Aufforderung, 
Auferstehung ist nicht augenscheinlich auffindbar.

Womit nähre ich meine Auferstehungshoffnung?

Mit einem Lied
Du bist da, wo Menschen leben, du bist da, wo Leben ist.
Du bist da, wo Menschen hoffen, du bist da, wo Hoffnung ist.
Du bist da, wo Menschen lieben, du bist da, wo Liebe ist.

Mit einer Musik
Vielleicht in "Vivaldi, Der Frühling"

Durch Zeichen der Natur
Es taut nach eisiger Zeit. Ein Feld zeigt grüne Spitzen, auch wenn drumherum alles noch braun-grau ist. Zugvögel kehren zurück. Knospen springen auf. Die ersten Forsythien blühen. "Du bist da, wo Leben ist."

An einem ungewöhnlichen Ort
An einem Ostermontag in Großostheim haben wir den Gottesdienst an drei Stationen gefeiert: Der Beginn war in der Kirche. "Du bist da, wo Menschen leben" haben wir gesungen und Lukas 24 gelesen – "Sucht den Lebenden nicht bei den Toten." 
Und trotzdem sind wir dann zunächst auf den Friedhof gegangen. Gefunden haben wir Symbole für Auferstehungshoffnung an den Gräbern: Sonnenaufgänge, durchbrochene Stäbe, betende Hände, aufkeimende Saat. "Du bist da, wo Menschen hoffen", auch auf dem Friedhof, trotz allem und in allem Traurigen. Ich ergänze das Lied: "Du bist auch da, wo augenscheinlich kein Leben ist."
Die dritte Station war überraschend, nicht selbstverständlich. Wir haben den Gottesdienst auf dem Spielplatz beendet, der zwischen Kirche und Friedhof lag. Auch hier haben wir Zeichen des Lebens entdeckt: Knospen, Vogelstimmen, Kinderlachen, ein verliebtes Pärchen, eine spielende Oma mit ihrer Enkelin. "Du bist da, wo Menschen lieben."
Wir haben auf die Legende gehört, in der Katharina in Alexandria den römischen Kaiser Maxentius überraschte. Er war skeptisch bzgl. des Auferstehungsglaubens der Christen und wollte diese nur ernstnehmen, wenn Katharina aus einem Stein neues Leben erwecken würde. Katharina hielt ihm ein fast ausgebrütetes Ei hin. Es sah aus wie ein toter Stein. Der Kaiser spottete. Dann riss die zum Schlüpfen bereite junge Ente einen Spalt in die Schale. Leben kam hervor aus dem scheinbar toten Ei.

Und wir auf dem Spielplatz: Wir spielten inmitten der hoffnungsvoll zeichensetzenden Natur. Eierlaufen, Eierkegeln, Eierdrücken.
"Du bist da, wo Menschen spielen."

Claudia Dürr
(Pädagogische Ausbildung für Schule und Gemeinde im Vikariat)

März 2022

Josef, der fast vergessene Vater Jesu

Am 19. März ist Josefstag, Tag des Heiligen Josef, Vater Jesu und Mann Marias.

Er stand Weihnachten in jeder Krippe. Spätestens Lichtmess ist er wieder eingepackt und taucht im weiteren Leben des Jesus aus Nazareth kaum noch auf. Die Rede ist von Josef. Er bleibt eher im Hintergrund.

Josef, so lesen wir in der Überlieferung, war Schreiner, so etwas wie Bauhandwerker gewesen, sicher ganz anders als heute. Als Vater von Jesus hat er Jesus sicher viel beigebracht. Jesus hat von ihm gelernt, wie man mit dem damals nicht reichlich vorhandenen Holz gut und vorsichtig umgeht, dass daraus Dächer für Häuser, Tische und Regale werden. Das hat er sich dieser Junge aus Nazareth von seinem Vater abgeschaut.

Diese Gedanken prägen die Bilder der Heiligen Familie: Vater Josef in die Arbeit vertieft, der Sohn Jesus, der ihm hilft, und Maria, meistens sehr nachdenklich, fast etwas entrückt.

Interessanterweise kommen solche Bilder erst im deutschen Biedermeier auf: die Familie als Kern der Gesellschaft - und der Sohn, der bei den Leisten seines Vaters bleibt, oder zumindest bleiben soll.

Josef hätte es vielleicht gern gesehen - oder viel wahrscheinlicher gab es kaum Alternativen - dass der Sohn in die Fußstapfen des Vaters tritt - Schreiner, Zimmermann, Steinmetz - das alles sind Berufe, die rund um Nazareth gebraucht wurden. Die Römer ließen in der Nähe eine Retortenstadt bauen - und da waren Handwerker gefragt.

Und Josef sorgt sich um sein Kind. Schreiner, das wäre doch was für dich, wird Josef öfter gesagt haben - Schau, du hast ein Auskommen, kannst heiraten, eine Familie gründen und mit dem Verdienst sie sogar auch einigermaßen anständig ernähren.

Es ist ganz anders gekommen. Jesus schlug einen überraschenden Weg ein. Aber wenn er in einfachen Bildern redet, wenn er Vergleiche aus dem Alltag der kleinen Leute verwendet, wenn er sich gerade diesen einfachen Menschen zuwendet, dann spüre ich etwas von seinem Vater Josef aus Nazareth.

Wie gut, dass er seinen Gedenktag hat, mitten in der Zeit, in der die Natur überall aufwacht.

Hans Burkhardt
Regionalstelle Unterfranken

*  Wolfgang Moroder - CC BY-SA 3.0

Februar 2022

Vom Licht, das frei macht

Von meinem Arbeits- und Schlafzimmer aus kann man im Winter ein ganz kleines Stückchen vom Starnberger See sehen, Sie finden es auf dem Bild zwischen den Bäumen. Heute, wo ich diese Inspiration schreibe, am Dreikönigstag 2022, ist draußen alles in das Gleißen einer wunderbaren Wintersonne getaucht, die ja, wie der Liedermacher Willi Michl singt, "nur an manchen Tagen scheint". Die letzten Tage waren trübe, aber heute ist so ein Tag voller Licht und ich werde gleich noch rausgehen, durch den Schnee, an den See, in die Sonne. Von meiner Mutter habe ich noch den Spruch im Ohr: "Weihnachten um an’ Muggenschritt, Neujahr um an’ Hahnentritt, Dreikönig um an’ Hirschensprung, Lichtmess um a ganze Stund". So erobert sich die Sonne Schrittchen für Schrittchen die Welt von der Dunkelheit zurück. In die aller dunkelste Zeit hinein, um die Zeit der Wintersonnenwende, genau auf die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember haben kluge Menschen die Geburt des Lichtbringers gelegt, zuerst war es der römische Gott sol invictus, der unbesiegte Sonnengott, dann der Lichtbringer Christus, der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt! Mitten in der Finsternis. 40 Tage später, an Lichtmess, das ist der 1. Februar, endet diese besondere Zeit, die Weihnachtszeit, das Licht ist spürbar zurück. Lichtmess war früher der Tag, an dem die Dienstboten im Alpenraum ihren Jahreslohn bekamen und den Dienstherren wechseln konnten, ein Tag der Freiheit. Zugleich wurde früher an Lichtmess der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht.  Und für mich brennen an Lichtmess seit ich denken kann die Geburtstagskerzen, inzwischen sind es so viele, dass ich mich mit einer zufrieden gebe. Man kann ja das Licht dann beliebig teilen, ohne dass es weniger wird. Lichtmess lehrt mich: Licht und Freiheit haben viel miteinander zu tun. Auch Geistesfreiheit braucht Licht, Transparenz, Offenheit, aber ganz besonders auch Wärme.
Ganz viel davon wünsche ich Ihnen für das noch junge Jahr 2022.

Heiner Aldebert
Regionalstelle Oberbayern

Januar 2022

Der Weg durch's Jahr

Bei meinem letzten Marathonlauf, als nach 25 km die Beine schwer wurden und der "innere Schweinehund" sich meldete, stand auf einmal ein Freund mit seinem Fahrrad am Straßenrand. Er hatte mich erwartet und fuhr neben mir her:

"Du machst das klasse!"
"Toll, wie leicht Du läufst!"
"Weiter so!"
"Da hinten kommt gleich die Verpflegungsstation!"
"Überragend …"
"Hab ich Dir eigentlich schon die Geschichte erzählt, als ich …"

Mit solchen und anderen Motivationssprüchen munterte er mich auf, feuerte mich an, hielt mich bei Laune, begleitete mich, schnaufte an manchem Berg mit mir mit ...

"Noch 30 Minuten", sagte er plötzlich und ich spürte, wie leicht er mir die letzten Kilometer gemacht hatte. Gemeinsam war es viel leichter. Am Ende konnte ich die letzten Reserven mobilisieren und den inneren Schweinehund überwinden, der sich schon eine Stunde zuvor gemeldet hatte.
Solch aufmunternde Gesten tun auch sonst im Leben gut, wenn es darum geht, die Mühen des Alltags zu überstehen.

Auch die Bibel erzählt von Menschen, die spürten, dass ihnen die Kraft ausgeht. Aber mitten in ihren Sorgen und Mühen haben sie gespürt, dass ihnen weitergeholfen wurde: Ein Fingerzeig im Alltag, ein mutmachender Blick oder eine aufmunternde Geste. Das hat ihnen Kraft gegeben, durchzuhalten. Ihnen war klar: Das war Gott. ER hat ihnen geholfen, damit sie die Hoffnung nicht verlieren. Diese Erfahrung haben sie schließlich aufgeschrieben:
"Lass den Herrn deinen Weg bestimmen! Vertrau auf ihn! Er wird es schon machen." (Psalm 37,5 Basisbibel)

Im Falle meines Sportkameraden war es sein Blick, seine Gesten, die mir sagen: Ich weiß, wie es sich für dich gerade anfühlt. Ich halte mit dir zusammen durch.

Tatsächlich: Im Vertrauen auf Gott sind es die vielen kleinen und großen Zeichen, mit denen er mir zu verstehen gibt: Ich weiß, wie es dir geht, was für dich manchmal mühsam ist und dich fast verzweifeln lässt. Ich gebe dir Kraft und Hoffnung und Zuversicht zum Durchhalten, und ich zeige dir einen guten Weg, den du weitergehen kannst.

Ich wünsche Ihnen im neuen Jahr viele solche aufmunternden Begegnungen, auch und gerade dann, wenn der Weg weit, steil und anstrengend ist!

Ihr Uwe Markert
Regionalstelle Niederbayern/Oberpfalz

Dezember 2021

Abwarten - und Tee trinken?!

"Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?" lässt Johannes der Täufer aus dem Gefängnis heraus Jesus fragen (Mt 11,3).
Warten, warten, warten, wir alle kennen das: Wartehalle, Wartezimmer, Warteschlange, Warteschleife – was es nicht alles für Gelegenheiten zum Warten gibt. Wir alle erinnern uns noch zu gut: Vor einem Jahr haben wir noch verzweifelt auf den ersten Impfstoff gewartet – und jetzt warten wir sehnsüchtig auf das Ende dieser Pandemie, dieser unsäglichen Gesundheitskrise, die im Moment in ungeahnter Weise neue Fahrt aufnimmt. Niemand wartet gern – nicht auf die Impfung, beim Zug nicht und auch nicht bei privaten oder dienstlichen Terminen. Es gibt sinnloses Warten, bei dem man immer wieder vertröstet wird. Warten dehnt die Zeit. Wer kennt nicht den an die Uhr gehefteten Blick, wenn man stupide dem Vorrücken des Sekundenzeigers zusieht. "Warten ist eine Kunst, die unsere ungeduldige Zeit vergessen hat" konstatierte der Theologe Dietrich Bonhoeffer. Dieses Warten ist ätzend.

Aber es gibt auch ein Warten, das auch in gewisser Weise mit Genuss verbunden ist und das unser Leben bereichert, ein Warten, das sehnsuchtsvoll und freudig sein kann. Wir treten mit der Adventszeit gerade wieder in diese alljährliche hoffnungsvolle Wartezeit ein, in der wir auf den endzeitlichen Friedensherrscher, den Messias warten, dessen Kommen Christen und Juden ersehnen.

Zu diesem Warten gibt es von dem berühmten jüdischen Philosophen Martin Buber die folgende legendarische Erzählung: Martin Buber soll einmal an einer Veranstaltung zum jüdisch-christlichen Dialog teilgenommen haben. Zahlreiche Juden und noch mehr Christen waren dort versammelt. Als er an der Reihe war zu sprechen, soll er gesagt haben: "Meine Damen und Herren, wir haben in der Tat viele Gemeinsamkeiten. Wir warten alle auf den Messias. Sie glauben, er ist bereits gekommen, ist wieder gegangen und wird einst wiederkommen. Ich glaube, dass er bisher noch nicht gekommen ist, aber dass er irgendwann kommen wird. Deshalb mache ich Ihnen einen Vorschlag: Lassen Sie uns gemeinsam warten." – "Und", so soll Martin Buber dann weiter gesagt haben, "wenn er dann kommen wird, fragen wir ihn einfach: Warst du schon einmal hier? Und dann hoffe ich ganz nahe bei ihm zu stehen, um ihm ins Ohr zu flüstern: Antworte nicht!"

Diese legendarische Erzählung zu Martin Buber eröffnet mit ihrem Wunsch nach Nicht-Wissen in Bezug auf den, mit dem die messianische Zeit anbrechen wird, eine neue Gemeinschaft: nämlich die Gemeinschaft der gemeinsam Wartenden. Buber wünscht sich, dass der Messias nicht antworten wird und nicht dem einen oder anderen – Juden oder Christen – Recht geben wird. So dass sich ein dritter Weg auftut – der des gemeinsamen geduldigen, aber durchaus auch unterschiedlichen, Wartens. Eines Wartens, das jedem Wartenden das je Eigene lässt und aus dieser Haltung heraus die Besonderheit des anderen respektiert und stehen lassen kann.

Warten kann so wunderbar sein, wenn man auf diese Weise auf den blickt, von dessen Herrschaft es heißt: "Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich.“ (Jes 9, 4-6)

Vera Utzschneider, Referat Gymnasium

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