Inspirationen

Spirituelle Impulse und Worte zum Nachdenken, geschrieben und gestaltet von Mitarbeitenden des RPZ, jeden Monat neu.

Der Apfel ist in Verruf geraten! Schade, denn wenn ich einen Apfel sehe, denke ich an den gedeckten Apfelkuchen meiner Mutter, oder einen feinen italienischen Apfelkuchen mit einem Guss aus Sahne und Mandeln – oder an blühende Apfelbäume.
Theologisch hat allerdings dieses Obst einen schlechten Ruf – zu Unrecht!
Natürlich – es geht um den berühmten Apfel, von dem Eva im Garten Eden gegessen haben soll und um die verhängnisvollen Folgen.
Aber da haben wir schon den ersten Fehler: Nirgends in dem Text ist von einem Apfel die Rede. Es wird nur eine Frucht genannt, nicht näher bestimmt – irgendeine Frucht! Eigentlich ist der Apfel jetzt schon rehabilitiert – aber ich finde, dass die Geschichte von Adam und Eva noch eine genauere Betrachtung verdient.
Was haben die beiden denn eigentlich so Schlimmes verbrochen, dass sie als Urgrund der Sünde in die Schulbücher eingegangen sind?
Also Gott erschafft die beiden – Adam (der Mensch) aus Erde und Eva (eigentlich: die Menschin) aus seiner Rippe. Und dann setzte er die beiden in einen Garten, in dem sie glücklich und sorglos mit allen Tieren zusammen leben konnten. Sie sollten nur nicht vom Baum des ewigen Lebens und von dem Baum der Erkenntnis essen.
So weit, so gut!
Jetzt kommt das klügste Tier ins Spiel – die Schlange. Und, wie sich herausstellt, ist sie wirklich klug: "Warum sollt ihr von dem Baum nicht essen?" fragt sie – "Weil wir dann sterben!", erwidert Eva. Als ob der Baum giftige Früchte tragen würde. Die Schlange weiß es besser: "Nein, ihr werdet keineswegs sterben, sondern klug werden." Erstaunlicherweise hat die Schlange recht. Die beiden essen von dem Baum und sterben keineswegs. Offensichtlich war die Drohung Gottes nicht ganz richtig, so wie man, zumindest früher, Kindern Angst gemacht hat, dass irgend etwas Fürchterliches eintreten würde, wenn sie nicht gehorchen (Der Nachtgieger kommt – zumindest in Franken - etc.). Kommen wir zur Folge der Apfeldiät. Sie erkennen, was gut und böse ist! Da Adam und Eva dies vorher noch nicht unterscheiden konnten, kann man ihnen auch nicht zur Last legen, dass sie von der Frucht gegessen haben. Wie sollten sie es wissen? Wieder drängt sich der Vergleich von kleinen Kindern auf, die die Folgen ihres Tuns nicht abschätzen und auch nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Hervorragend passt die nächste Folge des Essens von der Frucht in das Bild: Sie schämen sich, dass sie nackt sind. Auch hier drängt sich das Bild von kleinen Kindern auf, die völlig selbstverständlich zusammen nackt in der Badewanne spielen.
Die Zeit der unbedarften Kindheit ist vorbei. Und sogleich wird dies durch die Beurteilung von Gott unterstrichen. Als ob Gott erschrecken würde über das, was seine beiden Kleinen angestellt haben, fragt er, ob sie etwa von dem Baum gegessen haben, der doch so gefährlich ist. Jetzt haben wir den Salat: Vorbei mit der Kindheit! Der Ernst des Lebens wird beginnen. Man muss für sein Überleben hart arbeiten, wilde Tiere und Schlangen bedrohen das Leben, und der Fortbestand der Menschheit kann nur durch risikoreiche und schmerzhafte Geburten von Kindern gelingen.
Aber Gott ist ein überaus fürsorgliches Wesen, das sich um seine Kinder sorgt. Er macht ihnen Kleider aus Fellen, nicht genug damit – er zieht sie ihnen sogar an. Welch schönes, fürsorgliches Bild für Gott, der seine beiden nun in die Ferne entlassen muss. Aber warum müssen die beiden denn überhaupt gehen? Auch das erklärt der Text: Sie sind jetzt fast wie "welche von uns" und wissen, was gut und böse ist. Aber sie sollen Menschen bleiben und nicht zu Göttern werden. Deshalb müssen sie hinaus aus dem Garten, weil ja dort noch der zweite Baum steht – der Baum des Lebens – und wenn sie von dem auch noch essen, werden sie unsterblich. Das darf nun wirklich nicht geschehen – deshalb steht der Cherubim mit dem flammenden Schwert als Wächter davor. Aber von einer Strafe ist nicht die Rede!
Ich sehe Gott direkt vor mir, wie er wehmütig den beiden nachschaut, wie eine Mutter, deren Kind das erste Mal alleine in den Kindergarten geht – oder das auszieht, in eine andere Stadt, um zu studieren.

Was für ein realistisches Bild von uns Menschen und unserem Leben wird hier gezeichnet. Was für ein faszinierendes Bild eines sorgenden Gottes zeigt die Geschichte.
Ach ja, wo bleibt der Sündenfall?
Tatsächlich wird von Sünde erst im nächsten Kapitel der Bibel gesprochen. Auch diese Geschichte ist bekannt: Kain und Abel! Als Kain voll Neid auf Abel und aus Scham darüber, dass sein Opfer nicht angenommen wird, zornig "ergrimmt", spricht Gott ermahnende Worte zu ihm: Die Sünde lauert vor der Tür, du sollst aber über die Sünde herrschen – und dich beherrschen. Der weise Ratschlag findet kein Gehör, und der Zorn Abels führt zum Brudermord. Aber trotzdem wird Gott wieder als sorgende Gestalt beschrieben. Kain muss in die Fremde, er hat die Konsequenzen seines Tuns zu tragen, aber Gott schützt ihn, den Brudermörder, mit einem Zeichen.

Ich erinnere an diese beiden Geschichten, weil sie jeder kennt und trotzdem oft so missgedeutet werden.
Sie beschreiben sehr treffend die Existenz von uns Menschen: Wir "haben vom Baum der Erkenntnis gegessen" – bedeutet, wir können unterscheiden zwischen Gut und Böse. Zumindest meistens. Wir sind erwachsen! (Auch wenn nicht selten der Eindruck entsteht, dass viele in der Pubertät stecken geblieben sind) Wir sind nicht im Zustand des nichtwissenden Kindes, das die Folgen seines Tuns nicht abschätzen kann. Und Gott traut uns durchaus zu, dass wir über die Sünde, die vor der Tür lauert, herrschen können. Buße verstehe ich so, dass wir uns Zeit und Raum nehmen zu bedenken, wo für uns die Sünde vor der Tür lauert. Z. B. Wo geht es mir wie Kain – fühle ich mich ungerecht behandelt (von Gott – oder vom Leben) oder wo nagt der Neid an mir?
Und über – oder hinter all dem Nachdenken steht ein wohlwollender Gott, der uns lehren will mit den Herausforderungen des Lebens so umzugehen, dass wir der Sünde nicht erliegen. Voll Verständnis für uns und unsere Schwächen, aber voll Leidenschaft und bestimmt auch oft mit einem Haareraufen und verzweifelten Kopfschütteln – aber trotzdem liebevoll.

Ulrich Jung
(Referat Förderschulen am RPZ)

Januar 2019

Jahreslosung 2019: Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15)

Die Friedensfrage

Das Wort Frieden
ist ein Hauptwort.
Das hatten wir schon
in der Schule.

Aber wie heißt nun,
zum Hauptwort Frieden,
das Tätigkeitswort?
WO LERNEN WIR DAS?

Was wäre, wenn ...
... wir einmal die äußerliche Fassade ablegten,
... wenn die tausend Masken, hinter denen wir uns verstecken, wir einmal fallen ließen,
... wenn wir die Rüstung, die uns unangreifbar machen soll, einmal beiseite legten?

Was wäre, wenn wir den Mut hätten, uns doch mal berührbar und verletzlich zu zeigen, wenn unsere Ungeschütztheit ihren Schrecken verlöre, und wir uns begegneten – so wie wir wirklich sind? Vielleicht wäre nicht gleich Friede möglich, aber es gäbe eine heilsame Nähe.
Nähe – nicht nur zu den anderen, sondern auch zu uns selbst. Womöglich würden Grenzen überwunden, die unverrückbar schienen, wären neue Begegnungen möglich – untereinander und auch mit uns selbst. Von Martin Buber, dem berühmten jüdischen Philosophen (1878-1965), ist ein Gedanke überliefert, der die Unverzichtbarkeit wahrer Begegnung verdeutlicht, gerade auch für die eigene Selbstwerdung:
»Ich werde am Du; Ich werdend spreche ich Du. Alles wirkliche Leben ist Begegnung.«

Ein neueres Kirchenlied stellt die Friedensfrage in einen ganz weiten, transzendenten Horizont:
Wo Menschen sich verbünden,
den Hass überwinden
und neu beginnen, ganz neu:
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns.

Hören Sie doch einmal selbst in eine der Interpretationen dieses Liedes hinein: www.youtube.com

Ein gesegnetes friedvolles Jahr 2019 wünsche ich uns allen!

Vera Utzschneider
(Referat Gymnasium am RPZ)

Text- und Bildnachweise:
- »Die Friedensfrage« Text: Horst Glossner
- Martin Buber-Zitat: Aus Martin Buber, Ich und Du (1923). In: Das Dialogische Prinzip.Verlag Lambert Schneider, 4. Aufl. Heidelberg 1979, zit. nach: www.celtoslavica.de/sophia/Buber.html, abgelesen am 17.12.2018.
- Kirchenlied: »Wo Menschen…» Text: Thomas Laubach, zit. aus »Alive. Das ökumenische Jugendliederbuch für Schule und Gemeinde«, Claudius-Verlag München 2008, Lied Nr. 141 Strophe 3.
- Bild: Skulptur "Junge Frau mit Spiegel", Stephan Guber, 2018, Foto: Udo Fertig

Dezember 2018

Das Smartphone piept – Terminerinnerung. Ein Blick auf den Kalender – die nächsten Wochen sind durchgetaktet. Überhaupt verlangen diese Tage wieder einmal Organisationstalent, um alles unterzubekommen. Schließlich wollen neben den zahlreichen dienstlichen Terminen auch private Verabredungen und Verpflichtungen untergebracht werden. Diverse Weihnachtsfeiern stehen auf dem Programm, der Besuch auf ein paar Weihnachtsmärkten, Geschenke wollen gekauft werden, das Weihnachtsessen organisiert werden und den Skiurlaub muss ich auch endlich fix buchen. Geht schon alles – hat in den vergangenen Jahren auch immer geklappt. Aber wie…

Mir kommt eine Geschichte in den Sinn, die ich kürzlich erst irgendwo gelesen habe:

Ein Professor an einer Verwaltungshochschule wurde gebeten, einen Vortrag für Firmenchefs einiger großer Unternehmen zu halten. Sie wollten eine Vorlesung über sinnvolle Zeitnutzung von ihm hören und gaben ihm in ihrem Tagungsprogramm dafür eine Stunde Zeit.

Am Tag des Vortrags stand der Professor an seinem Rednerpult und betrachtete die gespannte Gruppe. Jeden Einzelnen. In aller Ruhe. Dann sagte er: "Wir werden ein Experiment machen." Er zog ein Goldfischglas unter seinem Pult hervor, dann holte er einige tischtennisballgroße Kieselsteine. Behutsam legte er sie in das Glas. Einen nach dem anderen. Bis das Aquarium randvoll war. Dann fragte er sein Publikum: "Ist das Glas voll?" – "Ja", lautete die Antwort aus der Gruppe.

Der Professor griff noch einmal unter sein Pult und holte einen Beutel mit feinem Schotter. Er verteilte die kleinen Steinchen zwischen die großen Steine, bewegte diese etwas, bis die kleinen Schottersteine zwischen den großen Kieselsteinen verteilt hatten. Wieder fragte er sein Publikum: "Ist das Glas voll?" – "Wahrscheinlich nicht", antwortete einer aus der Gruppe.

Wieder zog der Professor etwas unter seinem Pult hervor. Diesmal ein Säckchen voll Sand. Er füllte den Sand in das Glas und dieser verteilte sich darin, bis in die kleinsten Hohlräume. Schließlich griff der Professor nach einer Wasserkanne auf seinem Pult und goss auch das Wasser in das gläserne Gefäß, bis es randvoll war. Der Professor blickte ins Publikum: "Sie wollten, dass wir uns über den sinnvollen Umgang mit Zeit beschäftigen. Was können wir nun von diesem Experiment lernen?" – Es dauerte einen Augenblick, bis sich einer der Firmenchefs meldete und sagte: "Egal, wie voll unser Terminkalender ist, wir können immer noch den einen oder anderen Termin einschieben."

"Nein", antwortete der Professor. "Wir können aus diesem Experiment etwas anderes lernen: Wenn wir nicht zuerst die großen Kieselsteine in das Glas legen, werden sie später niemals alle hineinpassen. Macht euch zuerst Gedanken um die großen Kieselsteine in eurem Leben – vielleicht Familie, Freunde, vertraute Gespräche, Erholung, Träume... Wenn ihr zuerst auf die Kleinigkeiten achtet, den Schotter, den Sand, dann verbringt ihr euer Leben auch mit diesen Kleinigkeiten und habt nicht mehr genug Zeit für die wichtigen Dinge. Was sind die großen Kieselsteine in eurem Leben? Legt diese zuerst in den Krug."*

Sinnvoll genutzte Zeit beginnt nicht damit, den Terminkalender zu füllen. Sondern damit, das eigene Leben und den eigenen Lebensstil zu hinterfragen. Wir haben gerade den November hinter uns gebracht – den Ewigkeitssonntag begangen. Wir werden uns bewusst, dass unsere Zeit nicht unendlich ist. In diesem Bewusstsein und mit dem Blick auf das Leben und Hoffnung schenkende Weihnachtsfest können vielleicht auch die großen Kieselsteine des Lebens neu in den Vordergrund treten.

Patrick Grasser

(Referat Inklusion am RPZ)

*Erzählt nach einer unbekannten Quelle

November 2018

Wenn der Himmel die dunklen Wolken vertreibt

Manchmal kann einem dieses diesige und graue Herbstwetter ganz schön auf die Nerven gehen: Morgens bleibt es ewig lange noch duster und das nasskalte Wetter tagsüber lässt die Erinnerung an die vergangenen sonnendurchfluteten Tage und Abende nur noch umso schmerzhafter erscheinen:

Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende entgegen, wieder bin ich älter geworden, wieder sind ungenutzte Chancen unwiederbringlich vorbeigegangen... Manchmal scheint es, dass die trübe Jahreszeit auch die Sichtweise auf die dunklen Wolken unseres Lebenshimmels verstärkt. Eine unbestimmte Dunkelheit schlägt sich auf unsere Stimmungslage nieder. Man schätzt, dass bereits sogar bis zu 10% Prozent von Grundschülern davon betroffen sein können. Jeder von uns kennt solche Lebensphasen. Manchmal verstecken sich solche Gefühlslagen auch geschickt unter ganz anderen Symptomen. Ich denke an einen Schüler, dessen Aufsässigkeit und Unterrichtsstörungen mich regelmäßig zur Weißglut getrieben haben. Dass sich dahinter eine Depression und ein belastendes Familienleben mit einem alkoholkranken Vater verborgen hat, das wurde mir erst viel später bewusst.

Es kann eine Veranlagung, ein bestimmter Anlass oder die Verkettung unglücklicher Umstände sein, die eine Depression auslösen. Wenn dann Angehörige oder ein ganzes Lehrerkollegium darunter leiden, kann ein qualifiziertes Gespräch, ein entlastendes Netzwerk, hilfreich sein. Der Schulpsychologe und die Kontaktaufnahme mit den Eltern haben im geschilderten Fall sehr geholfen. Ja und manchmal gibt es auch diese Fügungen des Schicksals, die sogar die Wirkung von Antidepressiva und aufwendigen Therapiesitzungen noch toppen können:

Es läutet und der erwähnte aufsässige Schüler steht vor meiner Haustür. Er bittet mich, ihn und seine zukünftige Frau zu trauen. Ich war ganz erstaunt, wie freundlich, aufgeschlossen und sensibel dieser junge Mann zwischenzeitlich geworden ist. "Da muss im Himmel jemand an mich gedacht haben, dass ich dieser Frau begegnet bin" sagt er mir. Und dann erzählt er über die Verspätung der S-Bahn, dem überfüllten Zug und dem Blick zu dieser Frau, die ihn damals wie ein Blitz getroffen hat. "Mit ihr kann ich über alles reden, wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass wir füreinander geschaffen sind." Und ich denke mir: Vielleicht hat er trotz aller Störungen im Religionsunterricht doch mitbekommen, wie wichtig und heilsam es ist zu wissen, dass es jemanden gibt, der bedingungslos zu mir hält, egal ob im Himmel oder auf der Erde und auch: Dass es im Leben doch noch einen guten Ausgang nehmen kann. Auch wenn ich mir das gar nicht mehr vorstellen kann.

Tiefdruckgebiete des Lebens können sich tatsächlich manchmal ganz ohne Medikamente und Therapiesitzungen wieder auflösen. Es scheint, dass es da eine Art innere Heilung gibt, die uns ganz unbewusst zu Ärzten macht. Und wenn es mich einmal selber trifft, dann möchte auch ich damit rechnen: Der Himmel wird mir im rechten Moment ein Geschenk schicken und meine dunklen Wolken vertreiben.

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Offb. 21,2 (Monatsspruch November 2018)

Thomas Krüger
(Regionalstelle Niederbayern/Oberpfalz)

Foto: Ulrich Jung

Oktober 2018

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.
Ps 38,10 (E)

Wir saßen im Kollegium zusammen, haben uns Bibeltexte erschlossen, theologische Einsichten ausgetauscht und über gelingendes Leben und glückende Gemeinschaft diskutiert. Wir waren angeregt und gut gelaunt. Da legte ein Kollege Widerspruch ein: Wir sollten nicht vergessen, dass das Reden über gelingendes Leben auch seine Grenzen habe. Es gebe Menschen, die schwer traumatisiert seien, Menschen mit Depressionen, Menschen, denen das Leben übel mitgespielt habe.

Und nun lese ich Psalm 38, dem der Monatsspruch für den Oktober entnommen ist. Was für ein Klagelied! Was für ein Leben! "Meine Wunden stinken und eitern. ... Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig einher. Ich bin matt geworden und ganz erschlagen; ich schreie vor Unruhe meines Herzen." (38,6.7.9) Kann ich dazu "Inspirationen" schreiben?

Ich halte inne und lasse die Worte auf mich wirken. Na ja, ich kenne Tage, sogar Wochen, an denen ich krumm ging und ganz erschlagen war. Aber was ist das angesichts des Leids des Menschen aus Psalm 38. Ich werde dankbar und demütig. Mir wird klar, dass ich nicht immer von mir auf andere schließen kann. Viel zu oft bringe ich meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse ins Spiel. Und ich vergesse, dass das Leben anderer und ihre Erfahrungen fern meiner Vorstellungen sein können. "Wir sollten nicht vergessen, dass das Reden über gelingendes Leben auch seine Grenzen hat." Danke, lieber Kollege, dass du mich daran erinnert hast.

Gerda Gertz
(Referat Mittelschule am RPZ)

Quellenangaben:
Monatsspruch: E = Einheitsübersetzung
Bibelverse im Text: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Foto: Oleg Astakhov

September 2018

Hätte, hätte, Fahrradkette

Im Norden Nürnbergs, auf der Landkarte etwas zwischen Flughafen und Autobahn eingezwängt, liegt der Stadtteil Buchenbühl.

Wenn man dort vom Sportplatz aus den Sebalder Reichswald betritt, kann es einen nach ein paar hundert Metern ganz schön gruseln: Rundum sind die Bäume mit weißen Kreuzen bemalt. Grob mit zwei dicken Malerbürstenstrichen geschmiert, bleich und kalt. Ein bisschen wie die Vögel im gleichnamigen Horrorfilm sind sie – allgegenwärtig und stumm, fast abwartend.

Wenn man weiß, wofür die Kreuze stehen, wird es erst mal nicht viel besser. Die Bäume werden durch die Kreuze zu Mahnmalen für ihre eigene Zukunft – bzw. Nichtzukunft: Eine Bürgerinitiative hat sie markiert, um gegen die bevorstehende Fällung zu protestieren, um augenfällig zu machen, welch ein Verlust droht. Sie leben nämlich von geborgter Zeit, seit vor mittlerweile über zehn Jahren der Bau eines Autobahnzubringers zur Autobahn genehmigt wurde, der eine Schneise mitten durch das Naherholungsgebiet ziehen würde.

Warum stehen die Bäume überhaupt noch? Das liegt vor allem an den Menschen, die sich vehement für den Erhalt der Natur einsetzen und dafür sorgen, dass hier nicht klammheimlich Tatsachen geschaffen werden:

Das Nürnberger Friedensforum organisiert seit vielen Jahren regelmäßige Schöpfungsgebete am Predigtstein unter einer uralten Eiche, die auch weichen müsste. 

Eine ausgesprochen rege Bürgerinitiative hält das Thema neben der politischen Gremienarbeit immer wieder mit witzigen Aktionen wach, so wurde etwa zum fünften Jahrestag des Nichtbaus der Spaten des ersten Stichs unter zeremoniell-fröhlichen Dixieklängen begraben.   

Einzelne Bürger werden nicht müde, immer wieder auch über die sozialen Medien die Verantwortungsträger in die Pflicht zu nehmen.*

Aber ohne diesen Einsatz geringschätzen zu wollen: Im Grunde sind das nur Nadelstiche, die Gnadenfrist für fast 40 Hektar Wald verdankt sich einer Ironie der Geschichte: Derzeit stockt der Straßenbau vor allem, weil ein Teil des zu bebauenden Bodens in Flughafennähe von jahrelangen Löschübungen der Flughafenfeuerwehr gründlich mit chemischen Rückständen verseucht ist, die derzeit nicht im großen Stil rentabel abbaubar sind.

In anderen Worten: Die Umweltverschmutzung, die vor Jahrzehnten in den besten Absichten begangen wurde, verhindert heute eine viel größere Sauerei.

Man fühlt sich an Bertolt Brechts »Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens erinnert: »Ja mach nur einen Plan / sei nur ein großes Licht! / Und mach dann noch´nen zweiten Plan / gehn tun sie beide nicht.« Oder an das immer so eigentümlich gleichzeitig resignierte und einsichtsvolle Buch Kohelet: »[W]er weiß denn, was für den Menschen gut ist in seinem kurzen und vergeblichen Leben […]?« (6,12)
Man kann sich aber auch an das mit etwas optimistischerem Gottvertrauen ausgestattete Buch der Sprüche wenden: »Der Mensch denkt über vieles nach und macht seine Pläne, das letzte Wort aber hat der HERR.« (16,1)

Unter diesen Vorzeichen erwächst, wie so oft, aus der Ironie ein tröstlicher Gedanke: Die Fehler der Vergangenheit können die Zukunft retten, wenn wir in der Gegenwart wachsam bleiben. Aber ob aus ›können‹ irgendwann ›sein‹ wird, das entscheiden dann doch nicht nur wir. Wer in diesem Wissen in den Wald geht und hinter den bleichen Kreuzen das satte Grün sieht und genießt, hat für's erste schon einmal sehr viel richtig gemacht.

Johannes Rüster
(Redaktionsleiter GPM)

*) Die medienethische Verantwortung zwingt den Verfasser, anzugeben, dass er als unmittelbarer Anwohner an diesen Aktionen nicht immer ganz unbeteiligt ist.

August 2018

Sommerzeit, freie Zeit, Urlaubszeit

Mit dem Beginn der Sommerferien gehen viele in Urlaub und genießen freie Tage. Die Sehnsucht nach freier, unverplanter Zeit, nach Ruhe oder Action bricht sich Bahn. Ob zuhause oder in fernen Ländern kann dies auch eine Reise zu sich und zu den Mitmenschen sein. Mit dem Reisesegen von Andy Lang wünsche ich eine gesegnete Sommerzeit!

Ihre Gerlinde Tröbs

Reisesegen

Möge Ruhe Einzug halten in deine Gedanken
und ein leichter Wind über den Hügel deinen Geist mit Morgenfrische füllen!

So erwachst du zu neuem Leben, das wie Tau über Gräser perlt!

Möge die Stille grüner Landschaft deine Seele beflügeln
und möge sie aufbrechen zu Pfaden der Freiheit!

So kann deine Sehnsucht Sprache finden!

Mögen die Menschen sich in deiner Nähe geborgen fühlen so wie du dich in ihrer!

Ihr werdet den Raum der Liebe betreten, in dem alles Geben auch Empfangen ist!

So trägst du ein Geschenk des Himmels in dir!

Mögest du wiederkehren mit dem Glanz der Zärtlichkeit in deinen Augen,
einem Lächeln auf deinen Lippen und dem Lied der Schönheit und Heiligkeit in deinem Herzen!

So hast einen Blick in die Tiefe des Lebens gewagt!

Mögest du beschützt und geborgen sein auf deinem Weg in die Weite,
gehalten im Sturm, umfangen im Sonnenschein, berührt vom Segen,
der über deinem Leben liegt!


So wirst du selbst ein Segen sein!

Andy Lang

Juli 2018

Über die Möglichkeit, das Unsagbare zu sagen

"Und Kroos zirkelt den Ball ins Dreieck - Deutschland kann aufatmen." (Deutschland – Schweden, 95. Minute) Alles klar? Werden sich in zweitausend Jahren Wissenschaftler den Kopf darüber zerbrechen, wieso ein Ball mit einem Zirkel und einem Dreieck für gute Luft im Jahr 2018 in Deutschland sorgen konnte?

Es ist schon unterhaltsam, wie sinn-frei die Sprache wird, wenn man die Metaphorik wörtlich nimmt. Vor vier Jahren produzierte der WDR (Die Sendung mit der Maus) einen kurzen Beitrag, in dem solche Metaphern bei einem Fußballspiel wörtlich dargestellt wurden. Ein unterhaltsames Filmchen, das ich auch damals im Unterricht einsetzte, um den Schülerinnen und Schülern deutlich zu machen, wie selbstverständlich wir Metaphern verwenden und zu welchen Missverständnissen es führt, wenn wir nicht in der Lage sind, sie richtig zu deuten.

Diese Schwierigkeit begegnet uns permanent, wenn wir im Religionsunterricht über Dinge reden, die man nur in Vergleichen, Bildern, Metaphern und Symbolen zum Ausdruck bringen kann. Und genau um diese Themen dreht sich sehr viel im Religionsunterricht. Nehmen wir nur das Beispiel von Jesus als "Sohn Gottes". Wer war der Vater und vor allem, wer war die Mutter? Ohne das Bewusstsein, dass viele zentrale Begriffe und Inhalte des RU gedeutet werden müssen und angemessener Interpretationen bedürfen, sind Missverständnissen Tür und Tor geöffnet.
Nicht selten sind solche Missverständnisse und Fehldeutungen die Ursachen für kritisches und ablehnendes Verhalten im Unterricht. Wohl am häufigsten beim Thema "Schöpfung", wenn immer noch gedacht wird, dass die biblischen Berichte ein Widerspruch zu einem naturwissenschaftlichen Weltverständnis wären. Allerdings zeigt gerade dieses Beispiel auch, dass religiöse Gruppen und Kirchen nicht unschuldig daran sind. Der kindlich-naive Reflexionsstand kreationistischer Gruppen, die tatsächlich behaupten, die Welt sei in sieben Tagen entstanden, befeuert solche Missverständnisse medienwirksam.

Aber ich möchte zu dem eingangs erwähnten unterhaltsamen Film aus der Sendung mit der Maus zurückkommen. Es ist eine wichtige Aufgabe im Religionsunterricht ein Bewusstsein bei den Schülerinnen und Schülern zu schaffen, dass bildhafte Sprache die einzige Möglichkeit ist von Gott, dem Leben nach dem Tod etc. zu sprechen. Was größer ist als all unsere Vorstellungskraft, lässt sich eben nur in Vergleichen, Bildern und Symbolen zur Sprache bringen. Die Unterscheidung zwischen dem Bild und dem tatsächlich Gemeinten ist dabei zentral, damit es nicht zu solchen Missverständnissen kommt. Paul Tillich formuliert sehr treffend: Ein Glaube, der seine Symbole wörtlich versteht, wird zum Götzenglauben. Er nennt etwas unbedingt (A.d.V. das Bild, den Vergleich, das Bild), was weniger ist als unbedingt. Der Glaube aber, der um den symbolischen Charakter seiner Symbole weiß, gibt Gott die Ehre, die ihm gebührt.

Es ist eine Herausforderung, den üblichen kirchlichen und religionspädagogischen Sprachgebrauch genau daraufhin zu untersuchen, wo bildhafte Sprache benutzt wird und diese Bilder in die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen zu übersetzen. Was bedeutet es real, erfahrbar und greifbar, wenn z. B. gesagt wird, dass Gott einen Menschen auf seinem Lebensweg begleitet? Neben der Schwierigkeit solche Deutungen für uns als Unterrichtende zu finden, steht die Aufgabe, die sich durch den gesamten Unterricht ziehen muss, ein Bewusstsein für symbolische und bildhafte Sprache bei den Schülerinnen und Schülern zu wecken und eine entsprechende Sprachfähigkeit einzuüben. Hubertus Halbfas hat in seinem Unterrichtswerk dies mustergültig geplant, so dass der Umgang mit religiöser Sprache aufeinander aufbauend durch alle Schuljahre angebahnt wird.
Mit dem kleinen Film kann man in den nächsten Wochen schon einmal damit anfangen: Wörtlich verstanden klappt nicht immer.

Ulrich Jung

(Referat Förderschulen am RPZ)

Juni 2018

Laufen zum Schalom

Bewegung und Friede – was haben sie miteinander zu tun?
Innere Ruhe finden – manchmal alles andere als einfach. Seelische Belastungen, die auf uns ruhen, lassen sich – selbst an ruhigen warmen Sommertagen – nicht so ohne Weiteres ausräumen. Dazu die äußere Unruhe und der Unfriede, geschürt durch unberechenbare Politiker und den bedrohlichen gewaltsamen Terror, der für sich selbst keine Regeln friedvollen Zusammenlebens gelten lässt und sich auch Ruheorte wie Cafes in Fußgängerzonen oder attraktive Ferienziele für seine Wut und seine tödlichen Attacken aussucht.

Sowohl aus der Bibel als auch aus der modernen Gesundheitsmedizin wissen wir, dass es für inneren Frieden und seelische Beruhigung hilfreich ist, sich zu bewegen und in Bewegung zu bleiben. Und im Alten Testament lesen wir, dass kein Friede, kein schalom, ohne Recht und Gerechtigkeit möglich ist und dass die Menschen Gottes Weisung und Inspiration brauchen, um in Frieden und Gerechtigkeit miteinander leben zu können. In dem großen Geschichtsentwurf des Prophetenbuchs des Micha erfahren wir, welche große Rolle Bewegung dabei spielt:

In zukünftigen Tagen wird der Berg, darauf des Herrn Haus steht, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln. Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. (Mi 4,1f.)

In diesem Text wird viermal von Bewegung gesprochen, im wörtlichen wie im metaphorischen Sinn: herlaufen, hingehen, hinaufgehen und wandeln. Man muss sich in Bewegung setzen, um die Weisung Gottes zu hören, damit Schwerter zu Pflugscharen (vgl. Mi 4,3) und die Spieße zu Winzermessern werden. Dann wird ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit möglich sein: Ein jeder wird unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum wohnen, ohne dass ihn einer aufschreckt. (Mi 4,4)

Dieses eschatologische Bild des Wohnens unter den Kulturpflanzen Weinstock und Feigenbaum meint aber keinesfalls nur ungestörtes Genießen und faules Nichtstun, im Gegenteil. Es meint das sichere Leben im (eigenen) Land mit der Möglichkeit, ohne Angst vor Krieg und Terror Kulturtätigkeiten wie der sorgfältigen Pflege der Feigenbäume und Weinstöcke, dieser empfindlichen Gewächse, mit Pflugscharen und Winzermessern nachgehen zu können.
Und: Zu diesen Arbeiten gehört immer auch eine angemessene Bewegung.

Auch die moderne Gesundheitsmedizin sieht in der Bewegung einen Schlüssel für unseren Weg zum inneren Frieden: in einem sinnvollen, moderaten Maß an Bewegung, bei dem man ganz bewusst und behutsam mit wacher Achtsamkeit mit sich und seinem Körper umgeht und dessen Reaktionen aufmerksam wahrnimmt. So lässt sich der Blick von den Dingen des Alltags heben und das Wesentliche kann ins Auge gefasst werden. In unserer Zeit eine nicht zu unterschätzende Form von Kulturtätigkeit.

Uns allen einen guten Start in den beginnenden Sommer!

Vera Utzschneider

(Referat Gymnasium am RPZ)

Bibeltexte: Übersetzung Helmut Utzschneider
Bild: Läufer bei den Panathenäischen Spielen (Vase, ca. 530 v. Chr.), Wikimedia Commons

Mai 2018

'Religion - Opium des Volkes'

200 Jahre wird er am 5. Mai dieses Jahres: Karl Marx, Protagonist des nach ihm benannten Marxismus und mit Friedrich Engels Wegbereiter der sozialistischen Idee. Seine Geburtsstadt Trier ist sich unsicher, wie sie mit der überlebensgroßen Statue – ein Geschenk des chinesischen Volkes zum Jubiläumsjahr - umgehen soll, ist dieser Philosoph und Denker doch bis heute umstritten.

Herausfordernd ist er für alle Fragen nach Religion und Kirche. Kaum jemand hat in der Folge von Ludwig Feuerbach so radikal über Religion und Glaube nachgedacht und beides fundamental kritisiert.

Auch wenn Glaube, Religion und Kircheninstitution zur Zeit des großen linken Denkers sich sehr von dem unterscheidet, wie heute Religion und Glaube gesehen wird, so bleiben seine Worte und Gedanken für mich immer wieder Herausforderung und Mahnung. Ich glaube, seine Interpretation hat nichts davon verloren, dass er zu Recht den Finger in eine Wunde von Religion allgemein legt: Religion verliert ihre Daseinsberechtigung dann, wenn sie die Menschen unfrei macht, wenn sie Menschen daran hindert, sich selbst und die eigenen Fähigkeiten zu entdecken, wenn der Mensch als handelndes Individuum nicht ernst genommen wird.

Seine Gedanken haben nichts von dieser Schärfe verloren und passen wieder überraschend gut in die heutige Zeit:

"Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.

Die Kritik hat die imaginairen Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte, wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt."

Karl Marx: Zur Kritik der Hegel’schen Rechtsphilosophie. In: Deutsch-Französische Jahrbücher, Paris 1844, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource.

Hans Burkhardt

(Regionalstelle Unterfranken)

April 2018

Osterbotschaften - ins Licht rücken

Die Sonne geht auf ...

"Es gibt Hoffnung auch gegen den Augenschein."
"Hass und Gewalt behalten nicht das letzte Wort."
"Liebe ist stärker als der Tod."
"Ein neuer Anfang ist möglich."
"Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen."
"Gott steht zu dem, was Jesus getan hat."
...

Es gibt so viele Möglichkeiten von der Osterbotschaft zu erzählen.
Ich weiß nicht,
ob Sie einer der Gedanken heute anspricht oder es für Sie gerade nur fromme Worte sind ...
Velleicht drücken Sie die Osterbotschaft ja auch ganz anders aus.

Die Auferstehung feiern heißt für mich,
diese Botschaften mit Leben zu füllen.
So bleiben es nicht leere Worte,
sondern die Botschaft von Gottes Liebe gewinnt auf vielfältige Weise Gestalt.

Das geschieht,
wenn Menschen nach langer Zeit wieder aufeinander zugehen
wenn Menschen für andere einstehen - auch wenn es schwierig wird
wenn Menschen die Not anderer nicht übersehen
... wenn ich ...

Das geschieht,
wenn Menschen Zuwendung erfahren
wenn Menschen befreit aufatmen können
wenn Menschen wieder Vertrauen ins Leben gewinnen
... wenn ich ...

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, dass es bei Ihnen Ostern wird,
dass Sie die Osterbotschaft in ihrem Leben entdecken
und selbst in Ihrem Handeln zeigen, wie die Ostersonne aufgeht ...

Eine gesegnete Osterzeit – nicht nur zu Ostern!
Ihre Susanne Menzke

(Referat Elementarbereich am RPZ)

März 2018

KREUZWORT

Mit manchem Wort ist es ein Kreuz,
manches wird durch ein Wort
zum Kreuz.

Ein Wort kann zum Balken werden,
der sich im Ohr quer legt
oder auf den Magen schlägt.
Wenn Worte vielleicht
unbedacht gesprochen werden.

Wohl dem, der dann nachfragt,
wie sie gemeint waren, die Wörter.
Ob sie nur so dahingesagt waren
der mit einer Absicht verbunden sind.

WORT OHNE KREUZ

Jetzt fehlt die Verbindung nach unten,
das Wort ist nicht geerdet.

Ein Wort kann bodenlos sein,
wenn es jemand klein macht,
gesprochen oder geschrieben.

Wohl dem, der Worte aussucht,
die den Anderen, die Andere
groß sein lassen.

KREUZ OHNE WORT

Da fehlt mir das Wort.
Es bleibt nur ein Pfahl
und der schmerzt manchmal.

Wenn ich ein Kreuz zu ertragen habe,
brauche ich tragende Worte,
mittragende Hände.

Wohl dem, der es mir sagt.

GOTTES WORT

Es war mitten im Leben in Jesus Christus,
der quer gedacht hat und in vielen Worten bedacht war,
der bodenlose Worte aufgedeckt hat und jeden Menschen groß gesehen hat,
der selbst kreuztragende Hände Anderer gebraucht hat
und mittragende Worte gesprochen hat.

Wohl Gott,
der uns ein Beispiel gegeben hat.

Claudia Dürr

(Pädagogische Ausbildung für Schule und Gemeinde im Vikariat)

Februar 2018

Wieder aufstehen - mit neuer Kraft

Fasziniert haben sie mich schon immer, die Clowns, nicht nur im Fasching oder im Zirkus.  Besonders beeindruckend finde ich, wie nah bei einem Clown Weinen und Lachen zusammen liegen. Eben noch weint er dicke Krokodilstränen und im nächsten Moment springt er schon wieder munter umher und bringt andere zum Lachen. Das kennen Sie wahrscheinlich auch von den Kindern, die Sie unterrichten. Wie nah liegen bei ihnen oft Weinen und Lachen zusammen. Wie schnell geht es und der Kummer ist wieder vergessen. Manchmal beneide ich Kinder um diese Eigenschaft.

Der Clown auf dem Foto ist ein Stehaufmännchen. Vielleicht hatten Sie selbst ein solches Spielzeug oder Ihre Kinder? Es ist eine Figur, die unten rund ist. Immer, wenn man sie zu Boden drückt, steht sie sofort wieder auf, als wäre nichts gewesen und schaukelt fröhlich hin und her.

Mit seinem Auf und Ab ist es ein Bild für unser Leben: Da gibt es Zeiten, in denen wir den Kopf oben haben, in denen wir aufrecht stehen; Zeiten, in denen es uns gut geht, in denen wir Erfolgserlebnisse haben; Zeiten, in denen wir einfach zufrieden sind mit unserem Leben.

Aber dann trifft uns plötzlich ein Schlag von rechts oder von links. Wir erleben etwas, das uns zu schaffen macht, das uns in Frage stellt: Misserfolge, Versäumnisse, Kritik, eigene Zweifel oder auch einfach Erschöpfung und das Gefühl: Mir wird das alles zu viel.

Solche Erfahrungen können uns schon mal zu Boden werfen. Genauso wie das Stehaufmännchen immer wieder umgestoßen wird. Aber das ist eben das Spannende an diesem Spielzeug: Egal wie fest man es zu Boden stößt und wie lange man es dort festhält: Es lässt sich nicht unterkriegen. Es steht immer wieder auf.

Beim Stehaufmännchen passiert das automatisch, weil es so gebaut ist, dass es gar nicht am Boden bleiben kann. Aber wie ist das bei uns, wenn wir am Boden sind, wenn uns ein Misserfolg oder die Fülle der Aufgaben einfach umgehauen hat? Wir sind ja schließlich keine Stehaufmännchen - und müssen es auch nicht sein. Wir müssen nicht immer gut drauf sein und immer fröhlich lächelnd durchs Leben gehen. Auch Kummer und Traurigkeit haben ihre Zeit.

Aber was hilft uns, nach einer Zeit der Traurigkeit, wieder neuen Mut zu fassen? Was hilft uns dabei, immer wieder aufzustehen, uns nicht unterkriegen zu lassen und neue Kraft zu schöpfen? Was hat Ihnen geholfen, beim letzten Mal, als Sie am Boden lagen?

Das war bestimmt bei jeder und jedem von uns etwas anderes. Vielleicht war es das Gespräch mit einem lieben Menschen – direkt oder am Telefon. Vielleicht hat uns jemand an die Hand genommen und uns geholfen. Oder wir haben uns Zeit und Ruhe gegönnt, mal wieder richtig ausgeschlafen und danach sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Von irgendwoher bekamen wir wieder Kraft und neuen Mut. Vielleicht haben wir uns plötzlich daran erinnert, wie wir schon ähnlich schwierige Situationen bewältigt haben. Vielleicht war es auch ein Bibelwort oder ein Liedvers, der uns neu Mut gemacht hat. Oder ein Gebet, in dem wir gespürt haben, dass wir nicht allein sind.  

Auf verschiedenen Wegen können wir die Kraft finden, wieder vom Boden aufzustehen. Und in all dem, was uns von neuem auf die Beine bringt, erleben wir etwas von Gottes Hilfe und Begleitung. Denn im Rückblick können wir oft spüren, dass er es war, der uns durch die schwere Zeit hindurch getragen hat und der uns Menschen auf den Weg geschickt hat, die uns begleitet haben.

Dazu lesen wir in der Bibel beim Propheten Jesaja:
"Gott gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Schwachen. Selbst junge Leute werden kraftlos, die Stärksten erlahmen. Aber alle, die auf Gott vertrauen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden."

Ich wünsche uns allen, dass wir dies immer wieder erleben dürfen, dass wir neue Kraft bekommen, wenn wir uns ausgepowert und niedergeschlagen fühlen. Dass wir uns von dieser Zusage Gottes Mut machen lassen, dass er bei uns ist und uns begleitet.
Im Vertrauen auf ihn dürfen wir immer wieder neu aufstehen und zuversichtlich  in die kommende Zeit gehen.

So heißt es in einem irischen Segen:
Gott gebe dir
Für jeden Sturm einen Regenbogen
Für jede Träne ein Lachen
Für jede Sorge eine Aussicht
Und eine Hilfe in jeder Schwierigkeit.
Für jedes Problem, das das Leben schickt,
einen Freund, es zu teilen
für jeden Seufzer ein schönes Lied
und eine Antwort auf jedes Gebet.
Amen.

Gudrun Wellhöfer

(Regionalstelle Oberfranken)

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