Rechte Christen?

Kommentar

Anders fromm

Von Herbert Kolb

Manchmal wird mir unterstellt, ich hätte etwas gegen "Fromme". Dabei halte ich mich auch für fromm, nur anders. Ja, ich habe große Probleme mit einem „festen Glauben“, der sich als "der rechte Glaube" versteht, aber tatsächlich starr ist; der sich blind an überkommenen Formulierungen festhält; der andere Lebens- und Glaubensformen nicht gelten lassen kann oder sogar bekämpfen will. Nicht zuletzt wegen solcher Erscheinungsformen festen Glaubens werden Religionen heute oft als gewalttätig gesehen. Schließlich wird unter einem festem Glaube leider oft eine „notwendige Intoleranz“ gegenüber Andersgläubigen verstanden. Wenn der eigene Gott der einzig wahre ist und außerdem als „eifersüchtig“ verstanden wird, scheint es keine Alternative zur Mission und Bekehrung der anderen zu geben. Und da schwingt eben auch etwas Gewalttätiges mit.

Ich halte mich selbst für einen missionarischen Menschen, aber eher nach der Definition von Fulbert Steffensky: Mission ist für ihn „das absichtslose und ressentimentlose Werben für die Schönheit des eigenen Lebensentwurfs“. Absichtslos ist es insofern, als es mir nicht darum geht, andere dazu zu bringen, genauso zu denken und zu glauben wie ich. Wahrscheinlich ist das gar nicht möglich: Was ich mit meinen Gedanken und mit meinen theologischen Konstruktionen verbinde, hängt ja sehr viel mit meinen ganz persönlichen Erfahrungen zusammen. Ich will aber davon schwärmen, was mein Leben reich macht. Allerdings möge dieses Schwärmen und Werben als ressentimentlos wahrgenommen werden. Das bedeutet, dass ich dem, der mit meinem Lebensentwurf nichts anfangen kann, nicht böse sein will.

Die Schönheit des christlichen Lebensentwurfs hängt für mich mit dem zusammen, was ich über "Gott" und den "Heiligen Geist" gelernt habe. Es sind nicht einzelne Geschichten oder Aussagen aus der Bibel, die mich leiten. Es sind also keine einzelnen Sätze oder Texte, an die ich mich halte. Die Texte der Bibel, mit denen ich buchstäblich etwas anfangen kann, verstehe ich als Kunstwerke: Sie drücken – in der Zeichenwelt einer bestimmten Zeit und Welt – einen Glauben aus, den ich schön und anziehend finde.

Es ist der Geist der Liebe, der Anerkennung der Anderen, der Fremden, der mich bewegt. Diesen Geist finde ich in den Beziehungsaussagen über die Schöpfung der Welt. Für diesen Geist der Liebe ist Jesus mit seinem ganzen Leben eingetreten. Dieser Geist macht neugierig. Dieser Geist hilft mir, in der Bibel die geistreichen Kunstwerke zu entdecken, die für mich und mein Zusammenleben mit anderen wichtig sind. Dieser Geist macht mich wirklich frei – auch frei zum Umgang mit Anderen. Und Sie sehen: Dieser Geist bringt mich ins werbende Schwärmen. :-)

Herbert Kolb ist Referent für Konfirmationsarbeit am RPZ Heilsbronn.

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