Beobachten, Beurteilen, Bewerten

Formulierungshilfen für Lernentwicklungsgespräche und Zeugnisse

Das Thema "Lernentwicklungsgespräche" beschäftigte auch uns noch einmal kräftig. Wir wissen, dass viele Schulen eigene Bögen für ein Lernentwicklungsgespräch erstellen und von Religionslehrkräften drei feste Sätze zum Ankreuzen für diese Bögen haben wollen. In Absprache mit vielen Kollegen und Kolleginnen, die verantwortliche Stellen innehaben, sowie in  Übereinstimmung mit dem katholischen RPZ München, möchten wir an dieser Stelle noch einmal auf Folgendes hinweisen:

  • Kompetenzorientierung heißt nach unserem christlichen Verständnis und der Kompetenzdefinition nach F.E. Weinert (Comenius-Institut), die Kinder, da abzuholen, zu begleiten und zu fördern, wo jedes einzelne von ihnen steht.
  • Evangelische und katholische Kirche (zuständige Schulreferate) haben dementsprechend mit dem Bayerischen Kultusministerium vereinbart, dass für das Fach Religion und Ethik auf dem Bogen für das Lernentwicklungsgespräch ein Kästchen zur Verfügung steht, in das die Lehrkraft individuell zum jeweiligen Kind und bezogen auf die fachbezogenen Kompetenzen zwei bis drei Sätze formulieren kann. Dazu wurden im letzten Jahr die Formulierungshilfen (s. u.) für Lernentwicklungsgespräch und Zeugnisbemerkung verfasst und veröffentlicht.

Das Evang.-Luth. Landeskirchenamt hat hierzu Ende Januar 2016 einen Brief an die Schulleitungen versandt.

Mit Einführung des LehrplanPLUS verändert sich auch das Lernen und die Beurteilungsmöglichkeiten hin zu mehr Eigenbeteiligung der Schülerinnen und Schüler. Durch gezielte Reflexionsphasen, Lerntagebücher und das Lernentwicklungsgespräch in den ersten drei Grundschuljahren können sie mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Im Amtsblatt des Kultusministeriums vom September 2014 wird der Begriff Probearbeiten durch den Begriff Leistungsnachweise ersetzt. In den Blick gerückt wird damit, dass Kompetenzen nicht nur aus dem Abrufen von Wissen bestehen, sondern sich in vielfältiger Weise zeigen. Deshalb gilt es, auch in der Bewertung und Beurteilung vielfältige Möglichkeiten zu nutzen. Dies kann Ergebnisse aus selbstbestimmtem Lernen, wie beispielsweise Lerntagebücher, Portfolios und Präsentationen ebenso umfassen, wie schriftliche Probearbeiten. Auch mündliche Beiträge der Schülerinnen und Schüler, die zeigen, welche Kompetenzen sie bereits mitbringen, bzw. welche sie im Unterricht erworben haben, können verstärkt in die Bewertung einbezogen werden.

Der Einsatz eines Beobachtungsbogens kann zur Sicherung der Schülerbewertung hilfreich sein. Vor allem jedoch dient er dazu, die Kompetenzen und Stärken der Kinder gezielt in den Blick zu nehmen, um diese im Unterricht aufgreifen zu können.
(Die hier veröffentlichten Beobachtungsbögen stammen aus dem Heft "Lernen und Leisten im Religionsunterricht der Grundschule" und sind noch nicht dem LehrplanPLUS angeglichen!)

In der 1.-3. Klasse haben die Schulen die Möglichkeit die Zwischenzeugnisse durch Lernentwicklungsgespräche zu ersetzen. Grundsätzlich wird das Gespräch von der Klassenleitung mit dem Schüler/der Schülerin im Beisein von mindestens einem Elternteil geführt. Die Religionslehrkraft kann sich über den dazugehörigen Protokollbogen (Seite ganz unten - "Materialien") einbringen, indem sie in das Kästchen "Anmerkungen" ein bis drei Sätze ganz individuell über den Schüler/die Schülerin schreibt. Dies wurde zwischen Kultusministerium und evangelischer und katholischer Kirche verbindlich vereinbart. Nachdem das Gespräch nur etwa 20 Minuten umfasst und vor allem die "Hauptfächer" in den Blick genommen werden, rege ich dazu an, jede Möglichkeit zu nutzen, um im Religionsunterricht mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Das kann beispielsweise über eine Reflexionsrunde geschehen, oder in einem Vieraugengespräch innerhalb des Unterrichts. Wichtig ist zukünftig, die Kinder mehr in das Unterrichts- und Lerngeschehen einzubeziehen, als das bisher der Fall war.
Im Amtsblatt des Kultusministeriums vom 10. November 2014 sind die Zeugnisformulare für die Klassen 1 bis 4 zu finden. Auch hier sollte versucht werden die Bemerkungen kompetenzorientiert zu formulieren.

Lernentwicklungsgespräch

  • Grundidee: Das Gespräch findet zwischen Schüler/in und Lehrer/in statt. Die Eltern sind dabei anwesend. Es soll ein Gespräch mit dem Kind und nicht über das Kind sein.
  • Auf dem Bogen, der zur Vorbereitung für das Lernentwicklungsgespräch dient, werden dialogische Formulierungen verwendet:
    - Du-Formulierungen von der Lehrkraft für den/die Schüler/in (und die Eltern)
    - Ich-Formulierungen vom Kind für die Lehrkraft
    - Die Formulierungen müssen so einfach gehalten werden, dass vor allem das Kind, in seinem jeweiligen Entwicklungsstand, sie verstehen und sich dazu äußern kann
  • Das Lernentwicklungsgespräch soll dem Kind helfen seinen eigenen Lernstand und seine Lernmotivation zu beobachten. Vor allem im Fach Religion ist eine wertschätzende und stärkende Formulierung angebracht.

Zeugnisformulierungen

  • sollten beschreibende Formulierungen des Kompetenzerwerbes sein: "Wo steht aktuell das Kind im Prozess"
  • dienen der Bewertung, und deshalb gilt es, bei den Formulierungen den Blick quantitativ und qualitativ auf den Prozess und die Entwicklung zu richten.
  • können so auch Leistungsstufen sichtbar machen, da in Bayern weiterhin das Notensystem bestehen bleibt

Neuerungen und Chancen

  • Bisher wurde abrufbares Wissen von der Lehrkraft zu einem bestimmen Zeitpunkt bewertet.
  • Kompetenzen sind u. a. Fähigkeiten und Fertigkeiten das Wissen anzuwenden.
  • Bei der Bewertung im Rahmen der Kompetenzen ist eine Mehrdimensionalität gegeben, die das Kind ganzheitlicher sieht.
  • Die Beobachtung des Kindes soll in erster Linie dazu dienen, das Kind in seiner Persönlichkeit, mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern.
  • Leistungsnachweise im Zuge der Kompetenzorientierung bieten die Chance, dem Kind Wertschätzung entgegen zu bringen – jedes Kind hat Stärken! Diese aufzuspüren ist vor allem eine Aufgabe des Religionsunterrichtes.
  • Mit der Kompetenzorientierung beschreiben sowohl Schüler/innen als auch Lehrkräfte einen Entwicklungsstand in einem Prozess.
  • Schüler/innen werden durch Reflexionsphasen im Unterricht, sowie im Lernentwicklungsgespräch zunehmend in ihr eigenes Lernen und die Bewertung einbezogen.

Grenzen

  • Einen Entwicklungsstand in einem Prozess durch eine Ziffernote festschreiben zu müssen, ist ein Widerspruch in sich, deshalb stößt auch unser Modell ganz klar an Grenzen.

Handreichung

Das Institut für Schulqualität und Bildungsforschung, München (ISB) hat eine Handreichung mit dem Titel: "Kompetenzorientierter Unterricht: Leistungen beobachten - erheben - bewerten" veröffentlicht. Diese können Sie hier downloaden. Eine gedruckte Version der Handreichung ist in Vorbereitung, wird jedoch aufgrund der diversen Links, die nun verschriftlicht werden müssen, noch etwas dauern.
Die Zeugnisformulare finden Sie unter www.asv.bayern.de.

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